Wenn Haushaltsbeschlüsse getroffen werden, die der Magistrat nicht mag, was passiert dann? Gerade erlebe ich das. Beim Bericht des Magistrats, der keine Grenze in der Redezeit kennt, langweilte uns zuerst der Erste Stadtrat Ralf Sachtleber mit einer Powerpoint-Präsentation und Headset-Mikrofon über seine Erfolge bei der Planung. Dann kam Bürgermeister Erhard Rohrbach an die Reihe, der einen entsprechenden Vortrag über die Wirtschaftsförderung hielt.
Sicherlich können solche Präsentationen interessant sein, bestimmt auch für die Zuschauer der Stadtverordnetenversammlung. Weniger für die Stadtverordneten, die sich sowieso mit diesen Fragen beschäftigen (müssen).
Die Frage ist nur, ob so etwas im Rahmen des Berichts des Magistrats sein muß. In einer Stadtverordnetenversammlung, zu der die Stadtverordneten in ihrer Freizeit kommen und in der sie eine umfangreiche Tagesordnung abzuarbeiten haben. Die heutige Sitzung hat z.B. 29 Tagesordnungspunkte.
Die Sitzung beginnt um 18 Uhr und der Bericht oder sollte ich sagen, die Show, der beiden hauptamtlichen Magistratsmitglieder dauerte bis 18:48 Uhr.
Danach kamen wir zu den Anfragen, bei denen die WAM auch mit einigen dabei waren. Da wir aber keine Show machen, sondern lieber sachlich arbeiten, begnügen wir uns meist mit der schriftlichen Beantwortung. die anderen Fraktionen machen das anders. Aber da kann man sagen, daß die Zuschauer ja auch verdient haben, daß man ihnen was zeigt. Vielleicht werden wir von der WAM das demnächst, wenn es das Stadtparlamentsfernsehen gibt, auch zum Showlaufen antreten.
Die Anfragen, deren Zeit sowieso nach der Geschäftsordnung auf 30 Minuten begrenzt ist, waren um 19:02 Uhr beendet.
Dann kam, wie üblich, der Vorschlag, welche Tagesordnungspunkte in die Blockabstimmung kommen. Diesmal waren die TOPs 4, 6.1, 7, 8, 9, 15, 17, 18, 19, 20, 21, 25, 27 und 28.
Der TOP 24 wurde von der SPD zurück gezogen. Da ging es darum, wie ich hörte, daß die Ehefrau des Stadtverordnetenvorstehers Karl-Heinz Kaiser sich von Windrädern, die am Ortsrand von Wachenbuchen stehen, gestört fühlt. Deswegen wollte die SPD den ganzen Beschluß zu den Vorrangflächen für Windräder aufheben. Das fand natürlich keine Mehrheit. Nur konsequent, daß der Antrag zurück genommen wird. Sie haben gesehen, daß es keine Mehrheit geben würde.
Die Wachenbuchener, die am Ortsrand wohnen, mögen es mir verzeichen, aber wenn wir keine Atomkraft wollen, müssen wir irgendwo alternative Energien, auch Windräder, hinstellen.
Der TOP 26 wurde von der SPD geschoben. Da ging es um Änderungen der Friedhofssatzung, die aber sowieso in Überarbeitung durch eine Arbeitsgruppe ist.
Nun konnten wir in die Tagesordnung einsteigen.
Es begann mit einer unendlichen Geschichte. TOP 5 war eine Vorlage zur Änderung der Hauptsatzung. Seit Dezember 2011 soll ein sogenanntes Stadtparlaments-TV eingerichtet werden. Vor allem die CDU sträubt sich mit Händen und Füßen dagegen. Sie hat das Projekt bis jetzt verschleppt. Jetzt kann sie nicht mehr verschleppen, aber Bedenken werden weiterhin getragen. Mit einem Änderungsantrag möchte die CDU nun erreichen, daß jeder Stadtverordnete der Aufnahme seiner Beiträge widersprechen kann. Da es sich um eine Änderung der Hauptsatzung handelt, braucht man eine sogenannte qualifizierte Mehrheit von 23 der 45 Stadtverordneten.
Mit Headset wäre das nicht passiert! – Zwischenruf von Peter Thrun (GAM), als Helmut Nägele (SPD) nach vorne ans Mikrofon laufen mußte, um das Votum des Haupt- und Finanzausschusses zu verkünden, weil man seine Meldung von seinem Platz aus nicht verstand.
41 Stadtverordneten waren anwesend. Der Änderungsantrag der CDU wurde mit 20 (CDU, Grüne, FDP) : 21 (SPD, WAM, GAM) abgelehnt. Der ursprüngliche Antrag wurde dann mit 25 Stimmen beschlossen. Die Grünen, die dem CDU-Antrag zugestimmt hatten, hätten es sich kaum leisten können, danach den Hauptantrag abzulehnen und so kam es zu diesem Abstimmungsverhalten.
Dann kam unter TOP 6.2 unser Antrag zur verbesserten Bürgerbeteiligung in Stadtverordnetenversammlung und Ausschüssen. Am Nachmittag hatte der Bürgermeister noch die Rückmeldung der Gemeindeverbände herumgemailt, daß eine solche Regelung nicht rechtmäßig sein.
Herbert Hept redete dazu und zog danach den Antrag für uns zurück.
Dann ging es in den TOP 10-13 um die Vorbereitung der Übernahme der Maintalwerke durch die Stadt. Allen Punkten wurde einstimmig zugestimmt.
Unter TOP 14 ging es um die Erhöhung der Spielapparatesteuer. In den Haushaltsberatungen war der Magistrat beauftragt worden, die Steuer auf die “Höchstsätze” festzusetzen. Die SPD hatte einen Änderungsantrag gestellt, da sie meinte, der Magistrat schöpft in seiner Vorlage nicht die “Höchstsätze” aus.
Nachdem Dr. Peter Ravasz (CDU) umfangreiche, nicht so recht zum Thema gehörende Ausführungen zur Spielsucht gemacht hatte, schloß sich eine Aussprache an, an der sich auch Bürgermeister Rohrbach beteiligte. Am Ende konnte der Antrag der SPD doch noch mit der Mehrheit von SPD, WAM, GAM und FDP angenommen werden, bevor alle einschliefen.
TOP 16, der Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Maintal, hätte eigentlich in die Blockabstimmung gekonnt. Aber dem widersprach der Fraktionsvorsitzende der CDU, Markus Heber. Im Präsidium habe ich mich noch gewundert, wieso.
Ich wurde aufgeklärt. Der Bürgermeister sprang unter dem TOP auf und hielt eine weitere völlig unnötige und ermüdende Powerpoint-Präsentation mit Headset von 19:35 bis 19:50 Uhr. Danach schloß sich eine Diskussion an, die vor allem von der CDU-Fraktion getragen wurde.
Was anderes war das als Wahlkampf pur bei einem Tagesordnungspunkt, dessen einziger Punkt eine Kenntnisnahme eines Berichtes war. Auch wenn das natürlich so ummäntelt war, daß pro forma zum Feuerwehrentwicklungsplan gesprochen wurde. In Wirklichkeit ging es natürlich um den SPD-Haushaltsantrag zur Prüfung der Zusammenlegung der Feuerwehrgerätehäuser.
In TOP 22 ging es um unseren Antrag, Kita-Plätze für die Kinder der ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen günstiger, kostenlos oder vorrangig anzubieten.
Zur Sitzung lagen je ein Änderungsantrag der SPD und der CDU vor. Mit der CDU kamen wir zu einem gemeinsamen Antrag, indem wir in unseren Antrag noch die Angehörigen des Katastrophenschutzes mit aufgenommen haben. Mit der SPD kamen wir zu keinem Ergebnis, da die SPD die Plätze zwar vorrangig, aber nicht kostenfrei bzw. günstiger anbieten wollte.
FDP und Grüne sprachen sich grundsätzlich gegen den Antrag aus. Dabei machte Thomas Schäfer (FDP) den Vorschlag, daß wir einen Änderungsantrag zur Kita-Satzung stellen sollten. Das werden wir auch tun, wenn dieser Prüfauftrag keinen Erfolg hat.
Nach lebhafter Diskussion wurde der Antrag von CDU und WAM mit den Stimmen der GAM gegen die Stimmen von SPD (die vorher ihren eigenen Änderungsantrag zurückgenommen hatte), Grünen und FDP angenommen.
TOP 23 war ein Antrag von WAM und GAM zum Haushaltpunkt Wirtschaftsförderung. Da hat der Bürgermeister den ersten Satz des Antrages genommen und durchgeführt, den Rest aber erstmal unter den Tisch fallen lassen. Das Konzept sollte erarbeitet und im September vorgestellt werden. Einen Satz aus dem Konzept hat der Magistrat aber sofort durchgeführt, wie wir aus der Verwaltung erfahren haben, und die “Schuld” dafür auf SPD, WAM und GAM geschoben.
Leider war die SPD nicht in der Lage, dieses Spiel zu erkennen und hat daher gegen unseren Antrag geredet. Peter Thrun (GAM) hat ihn daraufhin zurückgezogen, bevor ich das in meinem 2. Redebeitrag noch einmal klarstellen konnte. Macht aber auch nichts. Man darf auf die Zukunft gespannt sein, besonders auf die Umsetzung des Konzepts.
